um 1100 Der Lederhandwerker (um 1020 – um 1070)

Erster nachgewiesener Bewohner auf dem Areal des späteren Humpis-Quartiers war ein Lederhandwerker. Bei einer archäologischen Ausgrabung im Innenhof des Quartiers 2003/04 wurden in der Fußbodenschicht Lederreste (Schuhteile, Schnürsenkel, Futteral) sowie eine Ahle aus Bein gefunden, die eindeutig auf einen hier ansässigen, Leder verarbeitenden Handwerker hinweisen.

Als Werkstatt diente ihm das steinerne Sockelgeschoss eines Fachwerkhauses, das am Hang zwischen der Marktstraße und dem Rossbach errichtet worden war, und dessen Reste ebenfalls geborgen werden konnten.
Die Lage des Gebäudes direkt am Markt, seine qualitätvolle Bauweise und die Fertigung hochwertiger Produkte aus feinem Schafsleder sprechen für eine gehobene soziale Stellung des Lederhandwerkers. Keramikfunde datieren die Anfänge des Handwerkerhauses in die Zeit kurz nach 1050. Es ist somit eines der ältesten Gebäude der welfischen Marktsiedlung Ravensburg.


Die Anfänge des welfischen Ravensburg

Die Zeit um 1100 war für die Entwicklung Ravensburgs entscheidend: Die Welfen, eine der einflussreichsten Hochadelsfamilien in Schwaben, errichteten seit der Mitte des 11. Jahrhunderts mit der Ravensburg auf dem Veitsberg einen zentralen Herrschaftssitz im Schussental (1088 erstmals erwähnt). Unterhalb der Burg legten sie die Grundlagen für die Entstehung der gleichnamigen Stadt: An einer bedeutenden Handelsstraße gründeten sie Ravensburg, das schon bald Stadtrecht erlangte und über einen Markt verfügte (1152 erstmals erwähnt).
In der entstehenden Stadt lebten Kaufleute und Handwerker. Die ältesten Siedlungsspuren finden sich in der Oberstadt: Das Haus des Lederhandwerkers, Holzbauten an der Herren- und Roßbachstraße (11./12. Jahrhundert), die Michaelskapelle unterhalb des Mehlsacks (1109 erwähnt), das Gebäude Marktstraße 59 (datiert 1179) und weitere Steinbauten an der Marktstraße (12. Jahrhundert).




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